Medienbüro für interne und externe Kommunikation

Amerika wusste es früher

USA, 1930er-Jahre. Große Depression. Winter.  Die Rechnung war brutal einfach: kleines Vergehen, warmes Gefängnis. Essen. Bett. Arzt. Zuständigkeit.

Hundert Jahre später klingt das nicht mehr nach Geschichte. Sondern nach Gegenwart in Deutschland. Denn wer heute alt wird, steht vor einer neuen, nüchternen Frage: Pflegeheim oder Knast – wo verbrennt das Vermögen langsamer?

Das Altenheim ist längst kein Ort mehr, sondern ein Abrechnungsmodell.
Einzug nur mit Lebensleistung. Erspartem. Immobilie.  Jeder Monat ein weiterer Bescheid, jede Pflege ein weiterer Eigenanteil. Pflegegrad ersetzt Biografie. Der Satz „leider gesetzlich so“ ersetzt Verantwortung.

Im Gefängnis ist die Lage klarer. Das Zimmer ist klein, aber bezahlt. Das Essen schlicht, aber garantiert. Die medizinische Versorgung Pflicht, nicht Option. Niemand fragt nach Rücklagen. Niemand greift auf das Erbe zu. Niemand prüft, ob sich das noch rechnet.

Der Staat sorgt für Straftäter.  Alte sollen vorsorgen. Im Altenheim zahlt man fürs Mittagessen. Im Gefängnis wird es serviert. Im Heim hat man Raum. Im Knast einen Tagesplan. Im Heim Freiheit – theoretisch.  Im Gefängnis Unfreiheit – aber Versorgung.

Das ist keine moralische Provokation. Das ist Systemlogik. Pflege wurde privatisiert. Strafe blieb Staatsaufgabe. Amerika nannte es Überleben. Wir nennen es Pflegefinanzierung.

Natürlich ist das absurd.  Aber nur für jene, die noch nicht rechnen müssen. Keine Sorge: Verbrechen lohnt sich nicht.  Aber ein kleiner Regelverstoß im November?  Beheizt. Vollverpflegt. Zuständig.

Willkommen in einer Gesellschaft, in der Fürsorge erst greift, wenn man etwas falsch gemacht hat.

 

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Digitalisierung spart. Aber auf wessen Kosten?

Digitalisierung gilt als Fortschritt. Wer widerspricht, muss sich rechtfertigen. Doch wenn ein Staat beginnt, Kosten als Argument für den Abbau analoger Grundzugänge zu nutzen, wird aus Modernisierung eine Machtverschiebung.

Ein Staat ist kein Start-up. Kosten sind ein Verwaltungsproblem – Teilhabe ist eine Staatsaufgabe. Digitalisierung ohne Absicherung erzeugt Anpassungszwang: Wer nicht digital funktioniert, verliert faktisch Zugang. Nicht laut, nicht brutal – aber wirksam.

Bemerkenswert ist, wie selten Medien diese Verschiebung problematisieren. Statt sozialer Folgen dominieren Effizienzlogik, Kennzahlen und Tempo. So wird eine politische Entscheidung als technischer Sachzwang erzählt – und Kritik daran als rückständig.

Foto durch AI

KI schreibt. Wir denken nicht mehr.

Es ist erstaunlich, wie schnell Texte heute entstehen – und wie langsam Gedanken geworden sind. Ein Prompt genügt, und schon fließt die Kommunikation.
Korrekt. Glatt. Harmlos.

Viele nennen das Effizienz. In Wahrheit ist es Bequemlichkeit mit Tastatur. Denn wer Kommunikation an KI delegiert, spart nicht Zeit, sondern Haltung. Analyse wird wegoptimiert, Strategie implizit mitgeliefert, Verantwortung ausgelagert. Übrig bleibt Text ohne Absender – und Botschaften ohne Rückgrat.

KI kennt keine Meinung. Sie kennt nur Wahrscheinlichkeiten. Sie steht für nichts ein. Und genau das liest man.

Mitarbeitende merken sofort, ob eine Botschaft gedacht wurde – oder gerechnet. Ob jemand Haltung zeigt – oder nur Output produziert. Kommunikation aus dem Autopiloten erzeugt vielleicht Content,
aber kein Vertrauen.

Das gleiche Muster zeigt sich zunehmend auch in der Pressearbeit –
und leider im Journalismus selbst. Texte werden produziert, nicht erarbeitet. Aus Agenturmaterial, aus Vorlagen, aus KI-Verdichtungen.
Hauptsache schnell, anschlussfähig, klickbar.

Was dabei verloren geht, ist das eigentliche Handwerk: Auswahl, Einordnung, Widerspruch. Stattdessen entstehen Artikel, die niemand mehr wirklich liest – nicht aus Desinteresse, sondern aus Überforderung.
Zu viel Oberfläche, zu wenig Erkenntnis. Zu viele Texte, die korrekt sind, aber belanglos.

Nicht jede Veröffentlichung ist ein Beitrag. Nicht jede Zusammenfassung Journalismus. Und nicht jede Klickzahl ein Beleg für Relevanz.

Was als Effizienz verkauft wird, ist oft intellektuelle Kapitulation. Auch hier dient KI immer häufiger als Abkürzung – nicht zum besseren Verstehen, sondern zum schnelleren Weglassen. Haltung wird ersetzt durch Tonalität, Analyse durch Tempo, Verantwortung durch Reichweite.

Das eigentliche Problem ist nicht die KI. Das Problem sind Kommunikatorinnen und Journalistinnen, die sie als Ersatz fürs Denken benutzen – und sich dabei selbst überflüssig machen.

Interne Kommunikation ist kein Textbausteinlager. 
Pressearbeit kein Durchlauferhitzer für Botschaften.
Beides braucht Urteilskraft, Kontext und den Mut zur Einordnung –
auch gegen Erwartungen, auch gegen den Strom.

KI ist ein Werkzeug. Wer sie für ein Gehirn hält, hat den Beruf bereits verlassen.

 

Foto durch AI

Bernstorf – das „New York der Bronzezeit“

Kranzberg bei Freising: Was heute wie ein verschlafener Ort in Oberbayern wirkt, war vor rund 3.400 Jahren ein kulturelles Powerhouse. Das damalige Bernstorf war ein Zentrum für Handel, Innovation – und, wie neue Funde nahelegen, vielleicht sogar für Schriftkultur und internationale Kontakte.

Wie New York heute zog Bernstorf damals Menschen, Wissen und Wertvolles an:

  • Keine Wolkenkratzer, sondern eine mächtige Wallanlage aus der Bronzezeit.
  • Kein Börsentrubel, sondern Zeichen auf dünnem Goldblech – ein möglicher Code aus der Frühgeschichte.
  • Keine Millionenmetropole, sondern ein Knotenpunkt der Bronzezeit – mit Bernstein aus dem Baltikum, Zinn aus Cornwall und Know-how aus Mykene: in der Metallverarbeitung wie im Monumentalbau.
  • Kein Broadway, aber eine Bühne der Vergangenheit – deren Echo bis heute nachklingt.

Bernstorf zeigt: Schon in der Bronzezeit konnten Orte eine Strahlkraft entfalten, die weit über ihre geografische Lage hinausreichte. Heute ein Acker – damals vielleicht das Global Village der Urgeschichte.

Kontakt und Öffnungszeiten

Bronzezeit Bayern Museum

Pantaleonstraße 18
85402 Kranzberg (Bernstorf)

Telefon 08166/68960

Öffnungszeiten:
Donnerstag und Sonntag
von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Die letzte Führung findet um 15.30 Uhr statt. 

Foto: ieC

Hintergrund

In deutschen Städten gilt seit Jahrzehnten Tempo 50 – trotz veränderter städtischer Strukturen und neuer Anforderungen an Sicherheit, Gesundheit und kommunale Steuerung. Kommunen berichten von hohem Verwaltungsaufwand, Gutachtenpflichten und komplexen Einzelfallregelungen bei der Einführung von Tempo-30-Zonen. Gleichzeitig entstehen dauerhaft hohe Kosten durch Beschilderung, Dokumentationspflichten und Widerspruchsverfahren – bei fraglicher Wirkung auf struktureller Ebene.

Eine bundeseinheitliche Absenkung der Regelgeschwindigkeit auf 40 km/h könnte nach Ansicht vieler Fachleute die Verkehrssicherheit erhöhen, kommunale Ressourcen schonen und Planungsprozesse vereinfachen.

Nachgefragt

Wir haben das Bundesministerium für Verkehr um Stellungnahme gebeten:

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Foto: ieC

Hintergrund

Trotz zahlreicher Empfehlungen von Polizei, Unfallforschung und Verkehrsverbänden sowie überzeugender Beispiele aus dem europäischen Ausland gibt es in Deutschland bis heute keine bundeseinheitlichen Vorgaben für Lkw-Tempolimits oder generelle Überholverbote auf Autobahnen. Stattdessen dominiert ein Flickenteppich streckenbezogener Einzelregelungen – mit spürbaren Nachteilen für Verkehrssicherheit, Verkehrsfluss und Infrastrukturbelastung.

Diese Situation verschärft sich weiter durch die wachsende Belastung des deutschen Autobahnnetzes als zentrale Transitroute im europäischen Güterverkehr. Die Zahl der Unfälle mit Lkw-Beteiligung steigt ebenso wie der infrastrukturelle Verschleiß. Gleichzeitig scheitern bundeseinheitliche Lösungen bislang regelmäßig am politischen Widerstand – häufig mit Verweis auf die wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands als Transitland und die angeblich gefährdete Wettbewerbsfähigkeit der Logistikbranche.

Nachgefragt

Wir haben das Bundesministerium für Verkehr um Stellungnahme gebeten:

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Mein Fazit: Nach der Ampel wurde nicht umgeschaltet – sondern abgeschaltet.

Immerhin: Eine Antwort kam. Und sie ist ein kleines Meisterwerk deutscher Verwaltungskunst. Kein Gedanke zu viel, kein Risiko zu nah, kein Problem zu konkret. Wer hoffte, dass im Ministerium jemand auf die Idee kommt, Verkehrssicherheit, Umweltziele und kommunale Entlastung vielleicht einmal zusammenzudenken – wurde enttäuscht. Stattdessen gibt’s einen Paragrafenslalom durch die Straßenverkehrsordnung und den Verweis auf die „Zuständigkeit der Länder“. Natürlich. Wer sonst.

Tempo 40 innerorts? Nein, das wäre ja einfach. Stattdessen kleinteilige Ausnahmen, verbunden mit viel Papier, ein bisschen Verwaltungsaufwand – und dem guten Gefühl, alles beim Alten zu lassen. Reform der Lkw-Regeln auf Autobahnen? Lieber nicht. Die Infrastruktur sei doch sicher, die Differenzgeschwindigkeiten kein Problem, und überhaupt sei ja „nichts geplant“. Na dann. Weiter so.

Was auffällt: Man will nichts falsch machen – also macht man lieber gar nichts. Verantwortung? Gern in Richtung Kommunen abgeschoben. Kreative Lösungen? Nicht vorgesehen. Was zählt, sind Regeln, Schilder und Verfahren. Verkehrspolitik als Selbstverwaltung des Stillstands.

Was bleibt, ist der Eindruck einer Politik, die lieber Verkehrszeichen nach Vorschrift sortiert, als Richtung zu geben.
Nach der Ampel wurde nicht umgeschaltet – sondern abgeschaltet. Kein Licht, kein Kurs, nur Verwaltungsdunst.

Die vollständigen Antworten des Ministeriums gibt’s hier zum Nachlesen:

Foto: Stadt Freising (Planbild)


Freisinger Steinwüste

Hintergrund

Im Jahr 2024 feierte Freising „1300 Jahre Korbinian“ – und präsentierte sich dabei mit Stolz: Die neu gestaltete Innenstadt mitsamt freigelegter Moosach wurde als Meilenstein städtebaulicher Entwicklung und Beleg für nachhaltige Stadtplanung beworben. Die Stadt spricht von hoher Aufenthaltsqualität, einem urbanen Zentrum und einem gestärkten Mikroklima. Doch: Wie sehr halten diese Versprechen einer kritischen Prüfung stand – insbesondere unter ökologischen und klimatechnischen Gesichtspunkten?  

Nachgefragt

Wir haben bei der Stadtverwaltung konkret nachgefragt:

  • Wie viel CO₂-Reduktion bringt die Neugestaltung der Innenstadt?
  • In welchem Umfang hat die Öffnung der Moosach das Mikroklima messbar beeinflusst?

Eine belastbare Antwort blieb bislang aus – obwohl telefonisch zugesagt. Auch auf den städtischen Webseiten sind entsprechende Zahlen derzeit nicht auffindbar.

Angesichts der unmittelbaren Nähe zur Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die über ausgewiesene Expertise im Bereich nachhaltiger Stadtentwicklung und Klimaanpassung verfügt, wäre eine begleitende wissenschaftliche Bewertung naheliegend gewesen.

Fazit

Der freigelegte Moosach-Arm als Symbol für ein neues, klimaresilientes Zentrum? Auf den ersten Blick vielleicht. Doch die Realität vor Ort lässt Zweifel aufkommen: Die dominanten grauen Steinplatten speichern Hitze, statt zu kühlen – von kühlenden, beschattenden Grünflächen kaum eine Spur. Die wenigen jungen Bäume stehen wie Verlegenheitslösungen in einer Umgebung, die eher an eine Steinwüste als an ein belebtes Stadtzentrum erinnert.
Während viele europäische Städte längst auf Schwammstadt-Konzepte, urbane Begrünung und Wasserinszenierung als Hitzeschutz setzen, scheint Freising mit seiner Sanierung eher auf Optik als auf Wirkung gesetzt zu haben.